Zwischenmenschliche Beziehungen, wie z.B.
Zum Leidwesen von möglichen Tupamaro-Sympathisanten muss ich jedoch feststellen, dass eine solche Verbindung nie bestanden hat, geschweige denn in der Gründung von Cecosesola eine Rolle gespielt hat.“ (Mail von Jorge Rath vom 01.03.2012). Der Übersetzerin und den HerausgeberInnen dieses Buches gebührt ein großes Dankeschön dafür, dass sie die teilweise doch eher ungewöhnlichen Herangehensweisen und Erfahrungen aus Cecosesola einem deutschsprachigen LeserInnenkreis erschlossen haben. Cecosesola hat unseren Begriff vom Machbaren verändert“, so die HerausgeberInnen im Vorwort zum Buch über den bemerkenswerten Kooperativenverbund in der Millionenstadt Barquisimeto im Westen Venezuelas. Einzigartig an Cecosesola (Central Cooperativa de Servicios Sociales Lara), dem „Dachverband für soziale Dienstleistungen“ ist, dass er sich politisch neutral im heutigen Venezuela versteht. In der jüngsten Vergangenheit ließ sich der Kooperativenverbund weder von Hugo Chávez’ Projekt des „Sozialismus des 21.
Jahrhunderts“ vereinnahmen, noch unterstützte er die Opposition. Die MitarbeiterInnen von Cecosesola wollen ein solidarisches Leben in Barquisimeto aufbauen. Das jüngst erschienene Buch „Auf dem Weg – Gelebte Utopie einer Kooperative“ beschreibt die Geschichte und Struktur dieses Kooperativenverbunds. Im Zuge der Kooperativenbewegung der 60er-Jahre wurde Cecosesola 1967 gegründet. Inwiefern nach 45 Jahren von einem erfolgreichen Beispiel für Basisdemokratie und ökonomische Selbstverwaltung gesprochen werden kann, lässt sich allein an der Anzahl der Unterorganisationen ablesen. Gleichberechtigung und das Miteinander im täglichen Produktionsprozess, stehen in einem absoluten Kontrast zur materialistischen Welt außerhalb der Kooperative.
| Zeitraum | Entwicklungsschritt | Bedeutung für Berlin |
|---|---|---|
| Spätes 19. Jh. | Erste legale Wettstuben | Etablierung als urbanes Phänomen |
| Weimarer Republik | Blütezeit im Unterhaltungsviertel | Touristische Anziehungskraft |
| NS-Zeit | Verbot und Verfolgung | Vollständige Unterdrückung |
| Nachkriegszeit (West) | Illegale Hinterzimmerwetten | Teil der Schattenwirtschaft |
| Seit 2012 | Lizenzierte Sportwetten-Anbieter | Staatlich regulierter Markt |
Gleichberechtigte Kommunikation und der Abbau von Hierarchien schaffen ein Klima des harmonischen, einheitlichen Miteinanders in der Organisation.
Diese Versammlungen sind auch offen für Außenstehende, es gibt keine Leitung oder Moderation. Die Diskussionen verlaufen oft eher informell und sprunghaft. Die Entwicklung solidarischer Beziehungen untereinander und mit den Menschen im Umfeld steht an erster Stelle. Gelingende menschliche Beziehungen bringen nach den Erfahrungen von Cecosesola nicht nur mehr Lebensfreude, sondern auch wirtschaftlichen Erfolg. Die namenlosen AutorInnen betonen, dass Cecosesola kein Modell ist, und dass jede Gruppe ihren eigenen Weg finden muss.
Sie bieten nichts an, was mit strukturierten und vordefinierten Methoden der Gruppenbildung wie zum Beispiel Community Organizing oder Transition Towns vergleichbar wäre. Sie wenden anscheinend auch keine Kommunikationsmethoden wie zum Beispiel Themenzentrierte Interaktion (TZI) oder Gewaltfreie Kommunikation (GFK) an. Stattdessen beschreiben sie ihre Gruppenprozesse von einer viel grundsätzlicheren Basis her. Vieles erinnert an fundamentalistische Ansätze alternativer Ökonomien der 1970er/80er Jahre: Der Bedarfslohn, die Rotation, die Ablehnung jeder Leitungs- oder auch nur Koordinierungsfunktion und Diskussionen ohne Ende. Ausnahmen – keine Namen von AutorInnen genannt sind, erinnert an den subversiven Charme alter Zeiten.
Allzu oft wurde damals jedoch die Erfahrung gemacht, dass unter der ungeregelten Oberfläche gesellschaftliche Dominanzen als informelle Hierarchien umso wirksamer wurden, je stärker sie tabuisiert waren. Ich möchte mir nicht anmaßen, nachdem ich das Buch gelesen habe, eine realistische Einschätzung des Projekts Cecosesola abgeben zu können. Aber ich habe den Eindruck, dass sich dort trotz einiger Ähnlichkeiten zu früheren selbstverwalteten Betrieben und Projekten möglicherweise eine andere Dynamik entwickelt hat. Zum einen ist das Projekt allein von der Größe her kaum vergleichbar. Zum anderen scheint mir der Ansatz, den Organisierungsprozess nicht ausgehend von ideologischen Ansprüchen zu gestalten, sondern die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Mittelpunkt zu stellen, ein deutlich anderer. Entscheidungen werden in Versammlungen im Konsens getroffen. So fanden im letzten Jahr insgesamt 3000 wöchentliche Treffen der einzelnen Kooperativen und Projekte innerhalb des Dachverbandes statt. Groß- und Kleinprojekte werden in diesen ständigen Versammlungen beschlossen. Innerhalb des Verbunds werden die einzelnen Aufgaben der MitarbeiterInnen im Rotationsprinzip verteilt. Die Löhne sind einheitlich, eineN ChefIn gibt es nicht. Das erste Projekt der Cooperativistas war kurz nach der Gründung ein Beerdigungsinstitut.
Wurden konkrete Methoden entwickelt, mithilfe derer die gemeinsamen Prinzipien umgesetzt und Erfahrungen innerhalb der komplexen kooperativen Strukturen vermittelt werden? Und wieviel Raum bleibt bei solcher Einigkeit und angesichts dieser Intensität eines Wir für dissidente Auffassungen und Empfindungen? Werden abweichende Meinungen wirklich offensiv eingeladen, willkommen geheißen und als Bereicherung erlebt? Wie wird Vorsorge getroffen, dass dieses Wir – vor allem bei einem unausgesprochenen Konsens – nicht in eine repressive Atmosphäre umkippt, in der einige Wenige sagen wo es lang geht, und alle anderen sich dem schweigend unterordnen? Wie gehen die Kooperativistas damit um, dass die Fähigkeiten, sich in Versammlungen zu äußern und andere von der eigenen Position überzeugen zu können, unterschiedlich verteilt sind?
Welche Rolle spielen Sympathien bet wettanbieter vergleich und Freundschaften bzw. Konflikte im sozialen Miteinander? Und wie funktioniert die Horizontalität in der Praxis, insbesondere gegenüber Außenstehenden oder in politischen Netzwerken? Wenn es keine Repräsentation durch einzelne Personen gibt – welche Alternativen haben die Kooperativistas entwickelt? Nach dem Wenigen, was ich bisher von Cecosesola wusste, hatte ich viele Fragen.
Beim Lesen war ich hin und her gerissen zwischen der Sehnsucht nach einem Zusammenhang, der über eine sachliche Zusammenarbeit hinaus die ganze Person fordert, und dem Gruseln vor so viel Enge. Nachdem ich das Buch gelesen habe, weiß ich mehr über die Kooperative und habe noch mehr Fragen. Darum freue ich mich sehr auf die Lesereise der Kooperativistas und bin gespannt auf ihre Antworten und den Austausch mit ihnen. Übrigens scheint es nur ein Gerücht zu sein, dass Cecosesola von Tupamaros gegründet wurde. Im Buch findet sich kein Hinweis darauf, und meine Nachfrage ergab: „Ich habe heute vorsichtshalber nochmal nachgefragt hier bei uns - vor allem Compañeros und Compañeras, die schon von Anfang an dabei sind - ob an der Tupamaro-Geschichte etwas dran ist. Dies war nötig, da es Ende der 60er-Jahre für viele Menschen in Barquisimeto unerschwinglich war, ihren verstorbenen Angehörigen ein würdevolles Begräbnis zu ermöglichen. 17 000 Familien Mitglied in diesem Projekt, das zusätzlich mit einer Sterbeversicherung verbunden ist. Damit ist es das größte Bestattungsunternehmen im Westen Venezuelas.
In der breiten Öffentlichkeit machte sich Cecosesola erstmals im Jahre 1974 einen Namen.
Da die privaten Transportunternehmen von Barquisimeto Druck machten, die staatlich regulierten Fahrpreise zu erhöhen, gründeten die Cooperativistas nach einer kurzen Phase des Protestes ihre eigene Buslinie SCT (Servicio Cooperativo de Transporte). Mit Hilfe von Krediten konnten 128 Busse für die SCT gekauft werden, die mit ihren niedrigen Ticketpreisen den privaten Unternehmen Konkurrenz machte. Aber auch mit den Behörden kam es zu einem Konflikt, der im Jahre 1980 in einer Enteignung sämtlicher Busse der SCT gipfelte.
Bis zum heutigen Tag arbeiten 85 verschiedene basisdemokratische Kooperativen und Vereine im Dachverband der Cecosesola. Die kritische Auseinandersetzung mit der westlich-kapitalistischen Kultur nimmt bei Cecosesola eine zentrale Funktion ein. Diese Kultur wird in den Augen der Cooperativistas als eine „der Macht und der Herrschaft“ entlarvt. In Venezuela habe sich über Jahrhunderte eine Mentalität entwickelt, mit der die Menschen in jeder Lebenslage versuchen, für sich als Individuum ihren eigenen Vorteil zu erlangen. Diese allgegenwärtige Kultur des Egoismus versucht Cecosesola bet live wetten zu verlassen und Auswege aufzuzeigen. Nach einer Entscheidung des Innenministers bekam Cecosesola nach einigen Monaten die Busse zurück. Doch weil zwei Drittel der ehemals fahrtüchtigen Busse demoliert worden waren, musste die SCT ihren Betrieb einstellen. Dem gesamten Kooperativenprojekt der Cecosesola drohte damit das finanzielle Aus. Etwa zur selben Zeit schuf sich Cecosesola ein weiteres finanzielles Standbein mit karitativem Hintergrund: drei Gemüsemärkte in den einkommensschwächsten Vierteln von Barquisimeto. Hier werden Obst und Gemüse zum Kilo-Einheitspreis verkauft, und auch andere Lebensmittel (wie Brot, Vollkornnudeln, Getreideflocken, Tomatensauce, Kräuter, Gewürze, Honig). Diese Märkte fanden schnell Anklang, so dass die inzwischen ausgedienten Stadtbusse zu mobilen Gemüsemärkten umfunktioniert wurden, die weitere Stadtteile mit Lebensmitteln beliefern. Mitte 1986 wurden bereits 30 Stadtteile und drei feste Wochenmärkte von den Cecosesola-Agrarkooperativen mit Nahrungsmitteln versorgt. Zurzeit werden auf den selbstorganisierten Märkten wöchentlich rund 450 Tonnen Obst und Gemüse verkauft. Laut Selbstbeschreibung versorgen sich hier rund 55 000 Familien – etwa ein Viertel der Bevölkerung von Barquisimeto.
| Angebot / Maßnahme | Träger / Anbieter | Kontakt / Ort in Berlin |
|---|---|---|
| Sperrsystem OASIS | Gemeinsame Glücksspielbehörde (GGL) | Zentrale Online-Registrierung |
| Beratungsstelle "Spielsucht Berlin" | Caritas Berlin | Wiclefstraße 32, 10551 Berlin |
| Telefonberatung | Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) | 0800 1372700 (kostenfrei) |
| Selbstverpflichtung in Wettläden | Lizenzierte Anbieter vor Ort | Persönliche Vorsperre beantragbar |
Durch den neugewonnenen finanziellen Spielraum konnten in den folgenden Jahren Projekte wie z.B. ein integrales Gesundheitszentrum oder eine Kooperative für Kreditvergabe gegründet werden.
| Anbieter | Standorte (Ladengeschäfte) | Online-Plattform | Gründungsjahr |
|---|---|---|---|
| Tipster Berlin | Friedrichstraße, Kurfürstendamm, Alexanderplatz | tipster.de | 2015 |
| Oddset (Lotto Berlin) | Zahlreiche Lottoannahmestellen | lotto-berlin.de | 1949 (als Lotto) |
| Bet3000 | Schloßstraße (Steglitz) | bet3000.com | 2004 |
| SAXON | Kein Ladengeschäft (nur online) | saxon.bet | 2020 |
Welchen Weg Cecososela in Zukunft einschlagen wird, ist durchaus noch offen. Die Zukunftsprojekte werden an die Bedürfnisse in der Stadt und der Region angepasst. „Auf dem Weg – Gelebte Utopie einer Kooperative in Venezuela“ ist ein sehr informatives Buch über den in Deutschland sicherlich unbekannten Kooperativenverbund Cecosesola. Empfehlenswert für alle, die sich vertieft über die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse in Venezuela informieren wollen.
ein Buch zum Kooperativenverbund Cecosesola in Venezuela Cecosesola Die Kooperativistas betreiben große Gemüsemärkte, produzieren Lebensmittel und bieten Gesundheitsversorgung und andere Dienstleistungen an.