Das beinhaltet unter anderem Präventionsmaßnahmen, Einzahlungslimits und den Anschluss an die zentrale OASIS-Sperrdatei, durch die Spieler vor problematischem Spielverhalten geschützt werden sollen.
Dem gegenüber stehen Zahlen, die alarmierend sind.
Laut aktuellen Studien leiden in Deutschland 1,3 Millionen Menschen unter einer leichten, mittleren oder schweren Glücksspielstörung – sehr oft mit verheerenden Konsequenzen für die Betroffenen selbst sowie deren familiäres und soziales Umfeld. Jeder dritte davon nimmt an Live-Sportwetten teil, heißt es vom Bundesministerium für Gesundheit. Womit klar ist: Sportwetten zählen zu den riskantesten Glücksspielformen in Deutschland.
| Wetttyp | Kurzbeschreibung | Beispiel (Fußball) | Schwierigkeitsgrad |
|---|---|---|---|
| Einzelwette (Single) | Wette auf ein einzelnes Ereignis | Sieg Bayern München | Niedrig |
| Kombiwette (Akkumulator) | Mehrere Einzelwetten in einer Wette | Siege von Bayern, Dortmund, Leipzig | Hoch |
| Handicap-Wette | Virtueller Vorsprung/Rückstand wird ausgeglichen | Bayern München (-1.5) gewinnt mit mind. 2 Toren Differenz | Mittel |
| Over/Under Wette | Wette auf mehr oder weniger als eine bestimmte Zahl | Over 2.5 Tore im Spiel | Mittel |
Die moralische Komponente ist dabei die eine Sache, die andere die regulatorische.
Völlig abwegig ist die Vorstellung nicht: Deutschland spielt bei der WM vielleicht im Viertelfinale, eventuell sogar in der Verlängerung. Millionen sitzen vor Fernsehern, fiebern beim Public Viewing oder in Sportbars mit. Und manche verfolgen das Spiel auf der Plattform eines Wettanbieters - Live Quoten, Wettoptionen und neue Spielanreize nur wenige Klicks entfernt. Der Sportwettenanbieter hat sich die Rechte gesichert, seinen Kunden während der WM 2026 sämtliche Spiele live im Stream anzubieten. Was auf den ersten Blick wie ein cleverer Marketing-Coup wirkt, löst gleichzeitig eine grundsätzliche Debatte aus.
Denn die Verbindung zwischen Fußball und Sportwetten wird damit enger als jemals zuvor. Die Spiele streamen können laut Tipico "qualifizierte Nutzer, die über ein registriertes und verifiziertes Sportwettenkonto verfügen und zusätzlich entweder ein positives Guthaben auf ihrem aktiven Tipico Konto haben oder alternativ innerhalb der letzten 24 Stunden eine Wette platziert haben". Mindesteinsatz für eine Wette ist ein Euro, als Guthaben reicht ein Cent. Wetten können nur Nutzer, die volljährig sind. Rund um das Tipico-Streaming gab es Anfang Mai Verwirrung, weil das bereits damals erstmals kommunizierte Angebot in Konkurrenz zur Telekom steht, die in Deutschland alle Spiele zeigt und Sublizenzen an ARD und ZDF vergeben hat.
Die Meldung wurde von Tipico von der Seite genommen und später mit detaillierteren Erklärungen neu publiziert. Hinter dem Angebot steht das Unternehmen "Stats Perform", der offizielle Anbieter von Wettdaten und Wett-Streaming des Fußball-Weltverbandes FIFA. "Das von Tipico erworbene Rechtepaket entspricht in Umfang und Struktur dem Standardpaket, das Sportwettenanbietern in ganz Europa angeboten wird", heißt es bei Tipico. Demnach gibt es technische Einschränkungen: Das Streaming ist auf Desktop-PCs, Laptops, Tablets und Smartphones beschränkt. Bei maximierter Darstellung nimmt der Videoplayer ein Drittel des Bildschirms von Laptop, PC oder Tablet oder die Hälfte des Bildschirms auf einem Smartphone ein. Grundsätzlich sind Werbung und Sponsoring von Sportveranstaltungen laut Glücksspielstaatsvertrag nämlich erlaubt. Gleichzeitig darf Werbung allerdings weder "übermäßig" sein noch sich gezielt an Minderjährige oder vergleichbar gefährdete Gruppen richten und nicht den Zielen des Glücksspielstaatsvertrages zuwiderlaufen, der darauf abzielt, die Bevölkerung vor glücksspielbedingten gesundheitlichen Schäden zu schützen.
Junge Erwachsene sowie Menschen mit problematischem Spielverhalten sind weiterhin besonders anfällig, unter anderem durch die zunehmende Normalisierung und die permanente Konfrontation mit Wettangeboten.
| Rechtsgrundlage | Zuständige Behörde | Zentrale Regelung | Einführungsjahr |
|---|---|---|---|
| Glücksspielstaatsvertrag 2021 | Die 16 Bundesländer | Regulierung des Online-Glücksspiels | 2021 |
| Glücksspielaufsichtsbehörden (Länder) | z.B. Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) | Vergabe Lizenzen & Marktüberwachung | 2023 |
| Rennwett- und Lotteriegesetz | Bundes- & Länderebene | Historische Grundlage für Sportwetten | 1922/1933 |
Was wäre also eine Lösung, möglicherweise für die Zukunft?
Für Otterbach ist das Angebot "kritisch zu betrachten". Einerseits trage es "zur Normalisierung von Glücksspielen im Sport bei". Andererseits könnten dadurch "positive bet sportwetten online casino Impulse und Spielanreize für Glücksspiele ausgelöst werden". Und das auch für junge Menschen, die in Deutschland bereits am stärksten von glücksspielbezogenen Störungen betroffen sind. Tipico verweist auf der eigenen Website auf das eigene Spielerschutzkonzept. "Ein Verbot sollte die Ultima Ratio bleiben", sagt Otterbach, der sich eine verstärkte Anwendung der bestehenden Regelungen wünscht.
Für Dr. Steffen Otterbach, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim, ist das Ganze "grundsätzlich nicht unproblematisch", wie er im bet wettanbieter ohne lugas paysafecard Gespräch mit unserer Redaktion betonte. Denn es komme "zu einer noch stärkeren Verknüpfung von Fußball und Sportwetten, wobei die Grenzen zwischen Sport und Glücksspiel weiter verschwimmen". Sportwetten könnten dadurch "als harmlose Freizeitaktivität und fester Bestandteil des Fußballs wahrgenommen werden". Gleichzeitig sinke die Wahrnehmung der Risiken – obwohl Sportwetten "nach wie vor ein suchtgefährdendes Produkt darstellen".
Tatsächlich zeigt die Entwicklung seit Jahren in genau diese Richtung. Wettanbieter sind längst nicht mehr nur Geldgeber im Hintergrund. Ihre Quoten tauchen während Übertragungen auf, ihre Logos dominieren Werbebanden und ihre Apps begleiten viele Fans inzwischen durch komplette Spieltage. im Profifußball schon länger ganz offen als Sponsoren und Partner von Vereinen, aber auch des DFB, fungieren, ist fast schon ein Stück weit Normalität. Mit den WM-Streams wird diese Entwicklung nun noch einmal deutlich intensiviert.
Denn Tipico liefert nicht mehr nur die Möglichkeit zu wetten, sondern direkt das gesamte Fußball-Erlebnis dazu. Otterbach hält es durchaus für möglich, dass durch solche Modelle dann auch letztendlich mehr gewettet wird. Einerseits sei "der nächste Klick, um eine Wette zu platzieren, nicht weit entfernt", sagt er. Andererseits könnten Nutzer plötzlich auch auf Sportarten oder Spiele wetten, "die man sonst vielleicht ignoriert hätte". Vor allem aber sei das Angebot "ein geschickter Marketingzug, um die eigene Marke und Produkte zu bewerben, potenzielle Kundinnen und Kunden anzusprechen und bestehende an die Marke zu binden". Es sei Aufgabe des Gesetzgebers, den Nutzen gegenüber den Risiken abzuwägen, sagt er. "Die Übertragung der Fußballspiele der Weltmeisterschaft 2026 direkt auf den Webseiten von Sportwettenanbietern und deren Zugang nur nach Anmeldung erscheint riskant." Die zentrale Frage lautet nicht mehr nur, wo Fußball künftig übertragen wird.
Sondern auch, wie eng Sport und Glücksspiel künftig überhaupt noch miteinander verbunden sein sollen.
Für die Weltmeisterschaft 2026 sei wieder mit einem hohen Aufkommen zu rechnen und der Werbedruck werde voraussichtlich in Zukunft sogar weiter steigen, befürchtet der Wohlfahrtsverband. Umso wichtiger seien daher der Ausbau von Präventionsangeboten und ihre verpflichtende Integration in die Ausbildung von Trainerinnen und Trainern: "Besonders junge, sportaffine Menschen sind gefährdet, riskante Wetten einzugehen. Viele glauben, ihr Fachwissen über Sport verschaffe ihnen einen Vorteil und ermögliche schnelle Gewinne." Es brauche strengere Jugendschutz- und Alterskontrollen für Sportwetten und ein umfassendes Werbeverbot, forderten der Deutsche Caritasverband und die Caritas Suchthilfe am Freitag in Berlin. Studien und Stellungnahmen von Fachstellen zeigten, wie schnell besonders jungen Menschen ein problematisches Spielverhalten drohe, teilten die katholischen Hilfsorganisationen weiter mit. Auf Social-Media-Platformen werde Sportwetten-Werbung gezielt an junge Menschen ausgespielt.
Diese Werbung sei oft kaum als kommerzielle Botschaften erkennbar, sondern tarne sich als Sportinhalt. Laut dem Leiter der Arbeitsgruppe Glücksspielsucht der Caritas Suchthilfe, Thomas Abel, sind besonders junge, sportinteressierte Menschen durch solche riskanten Wettangebote gefährdet. "Viele glauben, ihr Fachwissen über Sport verschaffe ihnen einen Vorteil und ermögliche schnelle Gewinne", erklärte Abel. Die Caritas forderte mehr Aufklärung und einen Ausbau von vorbeugenden Angeboten. Diese Prävention solle in die Ausbildung von Trainerinnen und Trainern verpflichtend integriert sein.
Die Fußball-WM wird vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen. Der Sportwettenanbieter Tipico zeigt alle Spiele der WM im Live-Streaming. Wir haben mit einem Experten darüber gesprochen, wie problematisch das ist. Denn die Entwicklung zeigt vor allem eines: Wettanbieter wollen längst nicht mehr nur Partner des Sports sein.
| Produktname | Art der Wette | Quotenmodell | Anbieter |
|---|---|---|---|
| ODDSET Sportwette | Einzel- & Kombiwetten | Festquoten (staatlich festgelegt) | Lotto GmbH in den Bundesländern |
| SPORT1 Wettpool | Pauschalwette auf mehrere Spiele | Pool-basiert (Gewinnaufteilung) | Deutscher Lotto- und Totoblock |
| SPORT0 | Wette auf 0, 1 oder 2 Tore Differenz | Festquoten | Lotto GmbH in den Bundesländern |
Sie entwickeln sich zunehmend selbst zu Medienplattformen. Und genau das sollte angesichts der Risiken eigentlich völlig abwegig sein. Auch WEB.DE und GMX zeigen Wettquoten in ihren Fußball-Livetickern an. bundesdrogenbeauftragter.de: Sportwetten – sportliche Faszination und existenzielles Leid dicht verwoben tipico-group.com: Sportwettenanbieter Tipico erwirbt von Stats Perform die Rechte, seinen Kunden im Rahmen des Tipico Sportwettenangebotes alle WM-Spiele anbieten zu können n-tv.de: Großer Wirbel - Zeigt Wettanbieter Tipico plötzlich alle WM-Spiele?
Besonders problematisch erscheint Otterbach dabei die Wirkung auf gefährdete Gruppen. Denn Glücksspielwerbung ist generell mit erheblichen Risiken verbunden. "Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Glücksspielwerbung und der Einstellung zu Glücksspielen, dem Verlangen, Glücksspiele ausprobieren zu wollen, sowie der tatsächlichen Glücksspielaktivität", erklärt der Wissenschaftler. Hinzu kommt ein sogenannter "Dose-response"-Effekt. Bedeutet: Je häufiger Menschen mit Glücksspielwerbung konfrontiert werden, desto stärker sind die Auswirkungen.
Das gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche sowie Personen, die von einer glücksspielassoziierten Störung betroffen sind. Gerade bei einer WM könnte dieser Effekt besonders groß werden. Denn kaum ein anderes Sportereignis erzeugt über Wochen hinweg eine vergleichbare emotionale Dauerpräsenz. Fußball läuft praktisch rund um die Uhr, soziale Netzwerke explodieren, Quoten ändern sich minütlich, und genau in dieser Atmosphäre werden Wettanbieter noch sichtbarer als ohnehin schon. Wenn sie dann auch noch Anlaufstelle für Live-Bilder sind, ist die Gefahr da, dass negative Auswirkungen potenziert werden. Caritas warnt vor Gefahren durch Sportwetten: Es brauche strengere Jugendschutz- und Alterskontrollen für Sportwetten und ein umfassendes Werbeverbot.